2000 Jahre FRAUEN IN ALZEY
von Martha Otto
 

Frauen in Alzeys Geschichte

bis 300 nach Christi

 
Kelten und Römer benötigten gleichermaßen für das Diesseits und Jenseits Fürsprecher,  Götter und Göttinnen, denen man Altäre stiftete, zum  Dank, zur Fürbitte und zum Kult. Die Göttinnen verehrte  man wegen ihrer Weiblichkeit und Reinheit, aber  auch als Symbol für Fruchtbarkeit. Dabei spielte weniger die Ästhetik eine Rolle,  es waren vielmehr magisch-mystische Mittel gegen die Naturgewalten und die gefährliche Tierwelt. Diese Verehrung von weiblichen Gottheiten geht bis in die prähistorische Zeit zurück, wie z.B. auch  die berühmte Venus von Willendorf (Kunsthist. Museum, Wien) beweist, die 20.000 v.Chr. entstanden ist. Später, in christlicher Zeit, waren es die Marien-Verehrungen. Zahlreiche Marienkapellen wurden sogar auf heidnischen Kultstätten errichtet.

Wie wichtig für Kelten und Römer Frauengestalten waren, zeigen die römischen Steindenkmäler in Alzeys Steinhalle. Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte aus den Grundmauern des im 4. Jahrhundert erbauten römischen Kastells  geborgen. Wir verdanken es der christlich gewordenen Spätzeit, dass in Alzey so viel erhalten geblieben ist. So wurden die heidnischen Denkmäler in die Fundamente der ältesten Alzeyer Kirche (St. Georg) und in die Kastellmauern eingegraben.

Die große Zahl der vorhandenen Denkmäler ist für eine römische Kleinstadt wie "Altiaia" sehr ungewöhnlich. Dies beweist einen erheblichen Wohlstand und zeigt auch, dass die Einwohner von Altiaia in einer römisch gewordenen Umwelt die angestammten Götter fromm verehrten, deren keltischer Ursprung unter der römischen Verkleidung überall durchscheint:
 

Ausgrabungen am Römerkastell (4)
SIRONA
Sirona (5) Die keltische Quellgöttin Sirona, die zusammen mit Grannus an der heilbringenden Schwefelquelle in der Nähe des Römerkastells verehrt wurde, ist die erste Alzeyerin, die wir als steinernes Bildnis zeigen können.
Sirona trägt ein langes Gewand, in der rechten Hand hält sie eine Opferschale, im linken Arm ein Zepter. Hinter ihren Schultern flattern schlangenförmige Bänder.
Sirona galt als Beschützerin der Quellen, des Moores und des Wassers. Sie ist mit der griechischen Göttin Hygieia, der Göttin der Heilskunst, Tochter des Asklepios, identisch. Damit  könnten auch die schlangenförmigen Bänder im Hintergrund der Figur in Bezug stehen.
Der Zugang zu der heilbringenden Schwefelquelle war in römischer Zeit monumental gestaltet. Aus dem Skulpturen-Fundament wurde nebenstehende Toranlage rekonstruiert.

Der Kult an der Quelle zog auch andere Göttinnen an.
 

Toranlage/Quelle (6)
VENUS
Venus und Vulcanus sind ein weiteres Götterpaar, das in Alzey verehrt wurde. Venus, die römische Göttin der Liebe und der Ehe, ist mit der griechischen Aphrodite, der Schaumgeborenen, und mit der altitalischen Gartengöttin identisch. Venus (7)
VICTORIA
Victoria (8) Auf dem Unterbau einer Jupitersäule finden wir Victoria, die Siegesgöttin, geflügelt, in langem Gewand mit Siegeskranz und Palmzweig in der linken Hand.
FORTUNA
Die Glücksgöttin Fortuna sehen wir in langem Gewand und Mantel. In der Linken trägt sie ein großes Füllhorn, die Rechte stützt sich auf ein Steuerruder. Fortuna (9)
MINERVA
Minerva (10) Besonders eindrucksvoll ist das Minerva-Relief. Minerva ist das Gegenstück zur griechischen Athena. Ihre Attribute als Schützerin des Staates mischten sich mit denen einer alt-italischen Göttin des Handwerks. Sie war die Schutzpatronin handwerklicher Fertigkeiten. Einer der insgesamt drei Minerva  Altäre in Alzey wurde  daher auch von einem Tuchwalker gestiftet. 
Die Göttin trägt  einen langen Mantel,  einen Helm und eine Lanze. Ihr Attribut ist die Eule.
JUNO
urspr. Königin der Götter, früher alt-italische Lichtgöttin, in römischer Zeit Göttin für Ehe und Mutterschaft, Schützerin der Gebärenden. Sie hat die Sabinerinnen von ihrer Kinderlosigkeit befreit. Juno (11)
Außerdem gibt es einen Altar für die Quellgöttin Sul, die ihren Tempel in Bath (England) hatte.

Doch der wichtigste Altar ist jener, der den göttlichen
 

NYMPHEN
geweiht war. Der abgebildete Altar, der im Museum Alzey steht, gilt als Geburtskurkunde von Alzey, denn erstmals in der geschichtlichen Überlieferung steht dort in Stein geschrieben:
 
Nymphenaltar (12)
„Den göttlichen Nymphen haben die Einwohner des vicus Altiaiensis diesen Altar aufgestellt unter der Obhut des Octonius Tertius und Castonius Cassius am zehnten Tag vor den Kalenden des Dezember" (am 22.November 223 n.Chr.).

Die Nymphen sind Naturgottheiten, die an Quellen verehrt wurden. Die vicani Altiaienses, also die Bewohner des vicus Altiaensium, stifteten den Altar, in dessen Inschrift erstmals der Name der Stadt erwähnt wird.
(II) 

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